WIEN – GA: [Abriß der Kayserl. Residenz Stadt Wienn, wie selbe vor der Belagerung vnd darauff erfolgten Abbruch eines Theils ihrer Vorstädt gestanden]. Kupferstich von 6 Platten von Joseph Mulder nach Folbert van Alten-Allen mit gedruckter 3-blättriger Legende. Amsterdam und Wien, 1686. Darstellung 74,5 x 150 cm, Blattgröße 94 x 150 cm.

verkauft

Nicht bei Nebehay-Wagner. Eisler, Historischer Atlas des Wiener Stadtbildes, Nr. 17 und Tafel XII. Der 1635 in Utrecht geborene und 1715 in Wien gestorbene Folbert van Alten-Allen (holländisch Folpert van Ouden-Allen, auch Ouwen Allen) war mindestens seit 1677 kaiserlicher Kammermaler. Seine Vogelschauansicht Wiens entstand zwischen 29.10.1679 (Aufstellung der hölzernen Dreifaltigkeitssäule auf dem Graben, in der Bildmitte gut zu erkennen) und der 2. Türkenbelagerung im Jahre 1683; das dem Kupferstich zugrunde liegende Gemälde ist verschollen. Im Himmel über der Stadt hat ein Adler 2 Wappenschilder in seinen Fängen: links der österreichische Bindenschild, rechts ein alliiertes Wappen, in dessen linker Hälfte sich ein einköpfiger Adler, und rechts ein Kreuz befinden, nach Eisler ein altes Herzogs- und Wiener Stadtwappen, möglicherweise jedoch ein Fehler des Stechers, da seit Friedrich III. die Stadt Wien neben dem gewöhnlichen Kreuzwappen ein Wappen mit Doppeladler und Kreuz führte. Auf Blatt 4 im weißen Rand die Stecherangabe „Joseph Mulder fecit Amstel“ auf Blatt 6 in der Darstellung der Hinweis zum Künstler „Folpert van Alten-Allen der / Röm: Kaiserlichen Maiestet Leopoldi / primi Cammermahler pinxit et delineavit / 1686“.

Bei Eisler werden 3 Exemplare in 2 verschiedenen Plattenzuständen, die einzigen die sich nach seinem Wissensstand erhalten haben, beschrieben: 1. Exemplar im Historischen Museum der Stadt Wien mit Kreuzwappen anstelle des alliierten ohne Nennung von Folbert von Alten, das Fehlen der Nennung Mulders wird von Eisler irrtümlich behauptet. 1. Zustand; 2. Exemplar in der österreichischen Nationalbibliothek, über das Kreuzwappen ist das alliierte Wappen geklebt, 1. Zustand; 3. Exemplar aus der ehemaligen Sammlung Hauslab mit geändertem Wappen und Nennung Folbert van Altens, 2. Zustand. Dieses Exemplar wurde 1969 vom Antiquariat Christian M. Nebehay an das Historische Museum der Stadt Wien für 88.000,- Schilling verkauft. Das hier vorliegende Exemplar ist mit dem aus der ehemaligen Sammlung Hauslab vergleichbar, hat jedoch den von Johann van Gehlen gedruckten Legendenstreifen. Die Legende ist angesetzt, mit diversen kleinen Fehlstellen und geringem Textverlust. In der Darstellung kleinere Restaurierungen, ein nahezu unsichtbar geschlossener Einriss im rechten unteren Bildteil, geringe Bereibungen vor allem im Himmel, eine fingernagelgrosse Fehlstelle im 6. Blatt ausgebessert, der Stabilität wegen auf Leinen aufgezogen. Insgesamt ein erstaunlich guter Erhaltungszustand für ein Blatt dieser Größe.

Ein viertes, bisher unbekanntes Exemplar, das einzige vollständige Exemplar des 2. Plattenzustandes, das erste auf dem Markt seit 1969. Eine der prachtvollsten Ansichten Wiens und seiner Umgebung vom Vorabend der 2. Türkenbelagerung, von größter Seltenheit.

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